AEM - online
Start > Aktuelles >

Pressemitteilung: Stellungnahme des Vorstands der AEM zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26.02.2020 aus medizinethischer Sicht

Kategorie: AEM-Info, Allgemein


Pressemitteilung 01/2020
Göttingen, 29.06.2020

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts:
Assistierter Suizid und die Rolle von Medizin und Pflege aus ethischer Sicht

Der Vorstand der Akademie für Ethik in der Medizin hat eine Stellungnahme veröffentlicht, die die ethischen Rahmenbedingungen für eine Beteiligung von Ärzt*innen und Pflegenden am assistierten Suizid erläutert. Die AEM reagiert damit auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 26.02.2020, das das Recht auf Selbstbestimmung auch für die Entscheidung über den eigenen Tod betont und den Staat auffordert dafür Sorge zu tragen, dass jeder Mensch auf zumutbare Weise seinem Leben selbstbestimmt ein Ende setzen könne. Hier kommt es nun darauf an, die Heilberufe in angemessener Weise in die künftigen Regelungen einzubinden.

Ärztliche und pflegerische Kompetenzen sind im Vorfeld der Suizidentscheidung, wie auch in der Suizidhilfe selbst wichtig. Diese Berufsgruppen sind mit den Kontexten und Alternativen von Suizidentscheidungen vertraut und können damit wesentlich zu einer freiverantwortlichen, wohlerwogenen Entscheidung der Betroffenen beitragen.

Allerdings wird es auch darauf ankommen, die Medizin nicht zu überfrachten, denn nicht jeder Suizid geschieht aus gesundheitlichen Gründen. Und es wird wichtig sein, ein Modell zu finden, das sowohl der staatlichen Pflicht gerecht wird, Menschen einen realistischen Zugang zur Suizidhilfe zu eröffnen, als auch dem selbstverständlichen Recht aller medizinisch und pflegerisch Tätigen, nicht an einem Suizid mitzuwirken.

Die rechtliche Klarstellung durch das Bundesverfassungsgericht hat der Bundesregierung damit eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Für die Gesellschaft insgesamt bietet sich nach dem Urteil aber die Chance, freier und differenzierter über unser Verständnis von Tod und Sterblichkeit sowie über die Bedeutung von Suizidwünschen zu diskutieren. Dazu gehört es auch festzustellen, wo die Rahmenbedingungen für ein würdiges Lebensende in unserer Gesellschaft ungenügend sind und was sich daran ändern ließe. Im Idealfall haben die Menschen zwar ein Recht darauf, sich selbst zu töten, ohne es aber in Anspruch zu nehmen.

Die Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) ist die Fachgesellschaft der in der Medizin-, Pflege- und Gesundheitsethik tätigen Personen in Deutschland. Sie besteht seit 1986 und umfasst derzeit knapp 1000 Mitglieder.  Ziel der AEM ist es, den öffentlichen wie auch den wissenschaftlichen Diskurs über ethische Fragen in der Medizin, der Pflege und im Gesundheitswesen zu fördern und für die Interessen des Faches Medizinethik einzutreten.

Hier finden Sie die Stellungnahme.


Ansprechpartner:

Geschäftsstelle der Akademie für Ethik in der Medizin
Humboldtallee 36
D-37073 Göttingen

Tel.: +49-551/39-9680
Fax: +49-551/39-33996
E-Mail: kontakt(at)aem-online.de