Konstituierende Sitzung der AG „Ethik, Behinderungen und chronische Erkrankungen“
Zeit: 23.04.2026, 15-17 Uhr
Ort: Online via Zoom
Hintergrund:
Fast 10 % der Menschen in Deutschland leben mit einer anerkannten Schwerbehinderung und über die Hälfte mit mindestens einer chronischen Erkrankung über den Lebensverlauf. Behinderungen und chronische Erkrankungen umfassen ein breites Spektrum physischer, psychischer und kognitiver Formen und können sichtbar oder (scheinbar) unsichtbar sein. Während es sich hierbei um eine sehr große und vielfältige Gruppe handelt, ist ihnen gemeinsam, dass sie Lebensrealitäten tiefgreifend beeinflussen und häufig mit strukturellen, sozialen und institutionellen Barrieren verbunden sind.
Im Kontext von Medizin und Gesundheitsversorgung zeigt sich zudem, dass Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen mit bestimmten Vorstellungen über Fähigkeiten, Gesundheit, Selbstständigkeit und Teilhabe konfrontiert werden. Diese wirken sich auf Versorgungssituationen, Kommunikation, Entscheidungsprozesse und den Zugang zu Leistungen aus. Gleichzeitig stellen Themen wie barrierefreie Informationen, Kontinuität der Versorgung, chronische Symptomlast und vielfältige Unterstützungsbedarfe spezifische ethische, rechtliche und organisatorische Herausforderungen dar. Zahlreiche Betroffene berichten dabei von Erfahrungen, die sich deutlich von jenen ohne entsprechende Lebensrealität unterscheiden. Daraus ergeben sich zentrale ethische Fragen zu Autonomie, Gerechtigkeit, Teilhabe und gutes Leben. Obwohl diese Fragen von großer ethischer Relevanz sind, wird ihre systematische Bearbeitung in der deutschsprachigen Medizinethik bislang nur vereinzelt geführt, was die Bedeutung einer vertieften und interdisziplinären Auseinandersetzung unterstreicht.
Zielsetzung:
Die AG möchte ethische Fragen zu Behinderung und chronischen Erkrankungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und praktischen Perspektiven bearbeiten. Dabei sollen sowohl individuelle Erfahrungen als auch strukturelle und institutionelle Bedingungen in Gesundheitskontexten sowie deren normative Implikationen einbezogen werden.
Zentrale Ziele sind:
● ein vertieftes Verständnis dafür zu fördern, wie Behinderung und chronische Erkrankung in Gesundheitswesen und Gesundheitspolitik über den Lebensverlauf gestaltet, gerahmt und bewertet werden,
● die Analyse von Behinderung und chronischer Erkrankung in Wechselwirkung mit anderen Ungleichheitskategorien (z.B.: Gender, Alter, Migration) anregen,
● ein nachhaltiges Netzwerk von Forschenden und Interessierten aufzubauen,
● das Themenfeld in der medizinethischen Debatte im deutschsprachigen Raum zu verankern und stärken,
● gemeinsame Publikationen, Projekte und Weiterbildungen zu initiieren,
● sowie Impulse für die klinische Ethikberatung zu entwickeln.
Der kontinuierliche Austausch mit Betroffenen und Selbstvertretungen ist dabei ein wichtiges Anliegen.
Struktur:
Koordination: Anna-Christina Kainradl (Graz), Elisabeth Langmann (Augsburg), Merle Weßel (Hannover)
Treffen: Zwei Treffen pro Jahr; nach der Gründung sind ein digitales und ein Präsenztreffen pro Jahr vorgesehen.
Kommunikation: Über eine gemeinsame Mailingliste; bei Bedarf ergänzt durch ein Dokumentenmanagementsystem.
Tagesordnung:
- Kennenlernen
- Vorstellung des AG-Konzepts
- Impulsvortrag zum Themenfeld
- Erster Austausch zu Arbeitsschwerpunkten
- Planung weiterer Schritte
Um Anmeldung bis zum 15. April 2026 wird gebeten an elisabeth.langmann@uni-a.de
Kontakt:
Dr. Anna-Christina Kainradl, Universität Graz (anna.kainradl@uni-graz.de)
Dr. Elisabeth Langmann, Universität Augsburg (elisabeth.langmann@uni-a.de)
PD Dr. Merle Weßel, Landeshauptstadt Hannover (merle.wessel@hannover-stadt.de)
