Aufruf zur Gründung der AG „Medizinethik im öffentlichen Diskurs“ in der AEM
Silke Schicktanz (Göttingen), Sabine Wöhlke (Hamburg)
Ethische Themen zu medizinischer Forschung, Gesundheitsversorgung und Gesundheitspolitik werden seit frühen Anfängen der professionellen Etablierung des Faches in den (traditionellen) Medien und neuerdings auch in den Sozialen Medien intensiv diskutiert. Seit der Corona-Pandemie und der vermehrten Präsenz von Fachvertreter*innen in den Medien hat die öffentliche Wahrnehmung von Medizinethik nochmals enorme Sichtbarkeit gewonnen. Medizinethische Themen in den Medien zu kommunizieren ist ein wichtiger Beitrag zu einer informierten, differenzierten öffentliche Diskussion. Zugleich haben viele Medizinethiker*innen ambivalente Erfahrungen in der Kommunikation mit Medienverteter*innen gemacht, die dazu führen können, sich in den Medien nicht oder nur selten zu äußern. Medienethische Probleme wie die der Polarisierung, Skandalisierung, Verkürzung oder Vereinfachung sind für die Darstellung medizinethischer komplexer Darstellungen oft kontraproduktiv. Zugleich kommt mit der Institutionalisierung der politischen Beratung durch verschiedene Medizinethik-Gremien diesen auch die normative Aufgabe der Transparenz und angemessene Kommunikation in die Öffentlichkeit zu. Zudem spielt die Öffentlichkeit als Adressat von Wissenschaftskommunikation für medizinethischen Forschung als sog. Transfer oder Third Mission eine zunehmende wichtige Rolle, ähnlich wie es für andere Forschungsbereiche praktiziert wird. Diese Aufgabe wird auch von relevanten Forschungsförderern eingefordert. Schließlich gehen bestimmte Ansätze der Medizin- und Gesundheitsethik methodisch der Einbindung von Teilen oder ggf. der „ganzen“ Öffentlichkeit nach. Dies geschieht im Rahmen von Partizipationsmethoden bzw. -ansätzen.
Diesen drei Formen der Interaktion von Medizin- und Gesundheit und Öffentlichkeit, nämlich
a) Öffentlichkeit als Adressat medialer Kommunikation von Medizinethiker*innen zu aktuellen Themen,
b) Öffentlichkeit als Adressat von Wissenschaftskommunikation über Medizinethik-Projekte/Forschung, und
c) Öffentlichkeit als Partner in Partizipationsansätzen medizinethischer Forschung
will die AG durch einen interdisziplinären Austausch mit Medienethik, Journalismus, Social Media-Forschung, Politik- und Sozialwissenschaften sowie der transdisziplinären Partizipationsforschung systematisch nachgehen.
Ziele der AG sind u.a. methodischer und praktischer Austausch, Analyse ethischer Konfliktfelder und Weiterentwicklung von Lösungsansätzen, Vertiefung des medienethischen und sozialwissenschaftlichen Forschungsstandes sowie der Fruchtbarmachung für die eigene Forschung.
Arbeitsweisen und Schwerpunktsetzungen sollen gemeinsam mit den AG Interessent*innen in den ersten zwei Treffen weiter festgelegt werden.
Interessierte an der Mitarbeit einer solchen AG melden sich bitte bis zum 15. Februar 2026 bei Silke Schicktanz (sschick@gwdg.de) oder Sabine Wöhlke (Sabine.Woehlke@haw-hamburg.de)
