Call for Abstracts Jahrestagung 2027
Medizin und Demokratie. Perspektiven der Medizin- und Pflegeethik sowie Wissenschafts- und Public Health Ethik
Mittwoch, 29. September – Freitag, 01. Oktober 2027, Heidelberg
Veranstalter:
Institut für Medizin- und Datenethik (IMDE), Medizinische Fakultät Heidelberg, Universität Heidelberg
Tagungsverantwortlich: Prof. Dr. med. Dr. phil. Eva Winkler
Call for Abstracts
Vorträge – Poster – Workshops – Satelitten-Workshops
Tagungsinhalt
Liberale rechtstaatliche Demokratien stehen in der Gegenwart unter großem Druck und sind mit großen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Diese Lage betrifft direkt oder indirekt auch die Medizin und Gesundheitsversorgung, die biomedizinische Forschung sowie Public Health und wirft vielfältige ethische Fragen auf, bis hin zu weiterreichenden Fragen nach Rolle und Selbstverständnis der Medizinethik und Pflegeethik als akademische Fächer.
Wie hängen demokratische Institutionen, Verfahren und Werte mit guter Medizin, Forschung und Gesundheitsversorgung zusammen und welche Verantwortung kommt der Medizinethik in Zeiten demokratischer Herausforderungen zu? Die Tagung versteht Demokratie nicht nur als Staats- oder Regierungsform, sondern auch als praktisches Leitbild, das mit bestimmten Vorstellungen von Verfahren und Werten unser Miteinander in Medizin, Forschung und Gesundheitsversorgung prägt oder prägen sollte. Aus der Perspektive der Ethik im Gesundheitswesen stellen sich dabei unterschiedliche Fragen: Braucht gute Medizin (inkl. Pflege) demokratische Voraussetzungen, und wenn ja, welche? Welche demokratischen Werte sollten Medizin, Forschung und Public Health leiten? Was darf und was sollte in Medizin, Forschung und Public Health auch nicht demokratisch geregelt sein? Welche Rolle kommt der Medizin- und Pflegeethik sowie der Public Health Ethik in einer demokratischen Gesellschaft generell und speziell mit Blick auf interne und externe autoritäre und anti-wissenschaftliche Bedrohungen zu? Inwiefern sollten die Ethiken des Gesundheitswesens selbst theoretisch und praktisch an den Prinzipien der Demokratie orientiert sein?
Das Themenfeld „Medizin und Demokratie“ als Gegenstand ethischer und interdisziplinärer Reflexion soll durch die folgenden Themenblöcke illustriert, aber nicht abschließend definiert werden:
1. Demokratie als Voraussetzung guter Medizin
Welche Voraussetzungen liberaler Demokratien sind für gute Medizin, Wissenschaft und Gesundheitsversorgung unverzichtbar – und welche spezifischen Beiträge können Medizinethik/Pflegeethik zu ihrer Analyse und ihrem Schutz leisten?
Stichwörter: Wissenschaftsfreiheit, evidenzbasierte Medizin, Wissenschaftsfeindlichkeit, Desinformation, Fake News und Verschwörungstheorien, Vertrauen, Resilienz, autoritäre Bedrohungen
Mögliche Themen:
Analyse, Einordnung und Bewertung der Auswirkungen autoritärer und wissenschaftsskeptischer oder -feindlicher politischer Strömungen auf medizinische Forschung und Versorgung; Rolle des med. Personals und der Forschenden – zwischen Expertise und Aktivismus; Resilienz und wehrhafte Medizin – Rolle von Gremien und Institutionen; Aufgaben/Grenzen der Politikberatung; Vertrauen in Medizin und das öffentliche Gesundheitswesen; Politisierung der ethischen Pluralität – Umgang mit kontroversen Themen.
2. Demokratie in Institutionen des Gesundheitswesens
Wie demokratisch müssen die Professionen, Praktiken und Institutionen der Medizin sein?
Stichwörter: Professionsethik, demokratische Legitimation, Transparenz und Rechenschaft, Hierarchien und Machstrukturen, Patient:innen- und Bürger:innen-Beteiligung, deliberative Partizipation
Mögliche Themen:
Demokratische und nicht-demokratische Werte im Ärzt:innen/Pflege-Patient:innen-Verhältnis und in den Professionsethiken der Gesundheitsberufe; Verantwortung der Professionen im Gesundheitswesen und auch der Medizinethiker:innen, sich für Demokratie oder bestimmte demokratische Werte zu engagieren; Hierarchien, Rollen und Machstrukturen in Krankenhäusern; Organisationsethik, demokratische Verfahren und Werte in medizinischen Einrichtungen; strukturelle und institutionelle Diskriminierung; Rechtfertigungs- und Transparenzpflichten von Leistungserbringern wie Krankenhäusern im öffentlichen Gesundheitswesen; Chancen, Herausforderungen und Grenzen demokratischer Beteiligung und Deliberation in medizinischen Kontext, Shared Decision Making, Co-Creation / Patient and Public Involvement (PPI), Beteiligung in Forschung, Beteiligung in Ethikkommissionen.
3. Demokratie, Gerechtigkeit und Gemeinwohl
Was schulden sich Bürgerinnen und Bürger im Gesundheitswesen gegenseitig? Welche Vorstellungen von Gemeinwohl liegen einem öffentlichen Gesundheitswesen in Demokratien zugrunde?
Stichwörter: Gleichheit und Ungleichheit, Equity, Freiheit und (Eigen-)Verantwortung, Zugangsgerechtigkeit, Priorisierung, Public Health, Solidarität, Grundrechte, Gemeinwohl, strukturelle und epistemische Ungerechtigkeit
Mögliche Themen:
Medizinische Versorgung als Grundrecht; Legitimation von Priorisierung und Allokation; Verfahrensgerechtigkeit und Transparenz bei Entscheidungen über knappe Ressourcen; Verantwortung der Bürger:innen füreinander im solidarisch finanzierten Gesundheitssystem; Abwägung individueller Freiheitsrechte und Gemeinwohlinteressen; Umgang mit gesundheitlichen Ungleichheiten, Diskriminierung und strukturelle Benachteiligung; Generationengerechtigkeit, Gesundheitspolitik; Gerechtigkeit der Patient:innenversorgung; demokratische Verfahren, Prinzipien, Werte und normative Herausforderungen der Public Health-Politik; systemische Hürden liberal-rechtstaatlicher Demokratien in Bezug auf wirkungsvolle Public Health Politik.
4. Demokratie, Forschung und (technologische) Innovationen
Inwiefern sind neue Ansätze und Entwicklungen in medizinischer Forschung und Innovation auch Herausforderungen für eine an demokratischen Werten und Prinzipien orientierte Medizin? Inwiefern berücksichtigen Ethik und Technikfolgenabschätzung demokratische Werte und Verfahren bei der Analyse und Bewertung neuer biomedizinischer Technologien sowie bei deren Begleitung von der Entwicklung bis hin zur Implementierung?
Stichwörter: Forschungspolitik, Förderorganisationen, neue Technologien, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Dual Use
Mögliche Themen:
Entscheidungen und Agenda-Setting in der medizinischen Forschungspolitik; Ziele, Ansprüche und Verantwortung der öffentlich finanzierten medizinischen/medizinethischen Forschung; Orientierung am Gemeinwohl; Governancestrukturen für einen demokratischen, transparenten und verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien; Rolle der Ethikkommissionen, Regulierungsbehörden und Bürger:innenbeteiligung; Verhältnis von Digitalisierung und KI in der Medizin sowie in der medizinischen Forschung zu Demokratie und demokratischen Werten; Dual Use als ethisches Kriterium in der Forschungsethik und Forschungsgovernance.
5. Die Rolle der Medizinethik (inklusive Pflegeethik, Forschungsethik und Public Health Ethik)
Welche Rolle soll die Medizinethik in der Demokratie spielen? Kann die Medizinethik das „Gewissen der Medizin“ und darüberhinausgehend die „aktive Verteidigerin“ von wissenschaftlichen medizinischen Institutionen und wissenschaftlichen Qualitätskriterien sein?
Stichwörter: Politikberatung, Unabhängigkeit, Verfahrensintegrität, Ethikräte, Verantwortung, Expertenrolle, Aktivismus, Neutralität, Ethik-Lehre
Mögliche Themen:
Demokratische Werte in der Medizinethik; „demokratische Medizinethik“ (Institutionalisierung, Methoden, Verfahren, Werte, Themen und Kommunikation); Medizinethiker:innen in wissenschaftlichen und ethischen Expertengremien und Politikberatung; Demokratische Werte, Prinzipien und Verfahren in klinischen Ethik-Komitees und medizinischen Ethikkommissionen; Entscheidungsfindung, Transparenz, Beteiligung und Rechenschaftspflichten; Rollen, Verantwortungen und Handlungsspielräume der Medizinethik als Disziplin und der Medizinethiker:innen in Öffentlichkeit und Politik; Verhältnis von Professionsethik und politischem Engagement in den Heilberufen – Advocacy als moralische Pflicht?; Beratung unter Unsicherheit und Zeitdruck; Medizinethische Wissenschaftskommunikation; Relevanz unterschiedlicher Demokratieverständnisse für die genannten ethischen Fragestellungen und für Rolle/Selbstverständnis der Medizinethik; demokratische Werte in Bildung/Studium/Lehre; politische Bildung in Ausbildung/Lehre; Verhältnis von professionsethischer und demokratischer/politischer Bildung und politischem Engagement in der Heilsberufsausbildung.
Einladung
Die AEM-Jahrestagung 2027 möchte die genannten Fragen und Themengebiete aus den Perspektiven der Medizin-, Pflege-, Wissenschafts- und Public Health-Ethik aufgreifen, gerne auch interdisziplinär erweitert, um beispielsweise geschichtswissenschaftliche, soziologische, politikwissenschaftliche und demokratietheoretische Ansätze. Im Mittelpunkt stehen die Analyse, ethische Bewertung und Gestaltung der Verhältnisse von Medizin und Demokratie sowie die Rolle, Aufgaben und Grenzen medizinethischer Akteur:innen und Institutionen in einer demokratischen Gesellschaft.
Beiträge aus Forschung und Praxis, z.B. der klinischen Ethikberatung, sind gleichermaßen willkommen. Wir freuen uns auf Abstracts und darauf, Sie im September 2027 in Heidelberg begrüßen zu dürfen.
Folgende Arten von Beiträgen sind zum Kongressthema möglich:
- A) Sektionsvorträge (15min Redezeit + 10min Diskussion)
- B) Poster (Ausstellung, moderierter Rundgang: 3min Redezeit + 2min Rückfragen)
- C) Workshops (Dauer 90min, parallel zu Sektionsvorträgen)
Daneben sind auch thematisch offene Beiträge möglich als:
- D) Sektionsvorträge (analog A)
- E) Poster (analog B)
- F) Satelliten-Workshops (Mi 29.09.2027; Dauer 120 bis 180min)
Die thematisch offenen Beiträge dienen der Präsentation aktueller Forschungsergebnisse aus den verschiedenen Bereichen der Ethik im Gesundheitswesen und der Public Health Ethik.
Workshops zum Tagungsthema und Satelliten-Workshops sollen mit innovativem methodischen Vorgehen Teilnehmende aktiv einbeziehen und sich damit von den Vortragssitzungen abgrenzen.
Die Satelliten-Workshops sollen ein aktuelles wissenschaftliches Thema der Ethik im Gesundheitswesen vertiefen oder eine fachlich-methodische Fortbildung darstellen.
Dieses Format richtet sich insbesondere an die Arbeitsgruppen in der AEM sowie an (inter-)nationale Forschungsprojekte bzw. institutionsübergreifende Initiativen.
Die Durchführung der Workshops und Satelliten-Workshops liegt in den Händen der Organisator*innen des jeweiligen Workshops. Für alle Workshops sind Kosten für Reise und Unterbringung der Referierenden sowie Materialkosten selbst zu tragen. Abhängig von den Anmeldezahlen kann für die Satelliten-Workshops ein gewisses Budget zur Verfügung gestellt werden.
Abstracteinreichung
Für einen Kongressbeitrag mit einem Vortrag oder Poster reichen Sie bitte ein Abstract von maximal 2.500 Zeichen (inkl. Leerzeichen) ein.
Um möglichst vielen Personen die Gelegenheit zu geben, einen Vortrag zu präsentieren, bittet der Vorstand der AEM, nur ein Abstract in Erstautorschaft einzureichen.
Als Bewerbung für einen (Satelliten-)Workshop senden Sie bitte ein Konzept von maximal 5.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen), in dem Sie das Thema und die Methodik beschreiben. Es wird empfohlen, vorgesehene Mitwirkende zu benennen und anzugeben, ob diese kontaktiert sind oder bereits zugesagt haben.
Die Auswahl der Abstracts für die Sektionsvorträge, Poster sowie die Auswahl der Workshops erfolgt anonymisiert durch einen wissenschaftlichen Beirat nach den Kriterien wissenschaftliche Qualität, Originalität und ethische Relevanz.
Bitte reichen Sie Ihr Abstract bzw. Ihr Konzept per Online-Formular als Word-Dokument ein.
Die Deadline für alle Bewerbungen ist der 31.01.2027.
Nachwuchspreis bester Vortrag
Auf der Jahrestagung wird ein Nachwuchspreis für den besten Vortrag zum Tagungsthema vergeben. Der Preis ist mit 500 € dotiert und erfordert eine Bewerbung. Personen, die sich bewerben, dürfen nicht älter als 39 Jahre und noch nicht habilitiert sein und auch keine Professur in einem anderen Fach haben. Liegt eine abgeschlossene Doktorarbeit vor, dürfen seit dem Promotionsdatum maximal 5 Jahre vergangen sein. Eine Verlängerung dieser Frist, z. B. aufgrund von Kindererziehung oder Berufstätigkeit außerhalb der Wissenschaft, kann auf Anfrage gewährt werden. Zudem darf die Person den Preis für den besten Vortrag nicht schon einmal gewonnen haben. Die Auswahl wird durch ein Preiskomitee getroffen. Die Verleihung des Preises erfolgt am 01.10.2027 im Rahmen der Abschlussveranstaltung.
Posterpreis
Auf der Jahrestagung 2027 wird zudem ein Posterpreis vom Veranstalter vergeben. Eine gesonderte Bewerbung zur Teilnahme ist nicht erforderlich.
Teilnehmende mit Behinderung und Teilnehmende mit Assistenzbedarf nehmen bitte mit dem Organisationsteam Kontakt auf:
Tel.: +49 6221 56 38732
oder per E-Mail an imde-office@med.uni-heidelberg.de mit Betreff: AEM 2027.
Kontakt
Geschäftsstelle der Akademie für Ethik in der Medizin e.V.
Humboldtallee 36
D-37073 Göttingen
Tel.: +49 (0)551 39-35344
Fax: +49 (0)551 39-35342
E-Mail: info@aem-online.de
www.aem-online.de
Bewerben
Bitte reichen Sie Ihr Abstract bzw. Ihr Konzept per Online-Formular als Word-Dokument ein. Die Deadline für alle Bewerbungen ist der 31.01.2027.
Kontakt
Akademie für Ethik in der Medizin e. V.
Humboldtallee 36
D-37073 Göttingen
Tel.: +49-551/39-35344
Fax: +49-551/39-35342
E-Mail: kontakt(at)aem-online.de
